Ich bin noch nicht ganz zufrieden, wie jeden Tag, so geht bei uns Entwicklung. Zum Glück haben wir vor einem Jahr auf kleine-Scripte-bauen umgestellt und vom Alles-in-Allem Softwarepaket Abstand genommen. Unser Verhältnis von Research and Development liegt derzeit bei etwa 8:1.

Die Änderungen am Algorithmus waren so kontinuierlich, die Testreihen so zahlreich, ein permanenter Softwareumbau wäre da nur teuer und unnötig. Wir sind so viel, viel schneller geworden. Allein die Textdatenvisualisierung hat 2011 noch 3 ganze Tage gedauert, jetzt sind es unter 3 Stunden, da freut sich der Erbsenzähler. Ausserdem sind mit der T3CQ und Xzerpt zwei Komponenten dazugekommen die Textrapic langsam aber sicher in Richtung Massenmarkt treiben.

Der letzte Wurf ist dabei wirklich gut geworden und Anlass genug mal wieder was “von Hand” zu schreiben, statt der Maschine den Job zu geben, hat er doch gezeigt, was noch nicht gut ist, alles wie immer. Die Computerstimmen sind nur schwer zu ertragen, die Redeanteile zu lang, die Übergänge zu brüchig, die Artefakte beim Screenrecording lästig und, und, und.

Aber Stop mal, wo soll das hinführen? Kurz zur Erinnerung: Wir finden Muster in großen Textmengen und können aus den Mustern wieder Text machen, nur das der dann viel kürzer ist. Die Suche nach potenziellen Nutzern und Anwendungsfeldern geht leicht, Begeisterung ist so schnell erzeugt, wie bezahlte Pilotprojekte verabredet sind, aber dann gibt es oft einen Punkt da stockt es, und dieser Punkt ist wirklich spannend – vor allem im Bereich Journalismus!

Jetzt verstehe ich auch, warum einige Technologien “disruptiv” genannt werden und vor allem, wie sie dazu wurden. Die sind nicht einfach da und knallen dann durch, da gibt es immer ein Vorspiel, das mit bestehenden und gut funktionierenden Strukturen zu tun hat und mit deren Selbstbehauptungsambitionen, wie bei Stromberg oder wie im Journalismus.

Darum rechne ich jetzt mal ein Finanzierungsmodell durch, Journalismus mit Textrapic hat ja noch keiner probiert, ohne Abo, ohne Anzeigen. Es wird eine Mischung aus “Urlaub auf dem Bauernhof” und Öffentlichkeitsarbeit. Warum? Weil es geht :)

Ein Kurzbeitrag zur Blog-Parade der KnowTech 2014, veranstaltet vom BITKOM – Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. unter dem Motto: “Zukunft des Wissensmanagements: Was ändert sich mit Cognitive Computing?“. Einige Impressionen aus der F&E Sicht des Institutes für grafische Wissensorganisation [1], entlang der Leitfragen:

Wie wird sich die Wissensarbeit im Zusammenwirken mit kognitiven Rechnern ändern?

„Wer schreibt bleibt!“ die Art jedoch wie geschrieben wird, ändert sich spätestens, wenn Wissensarbeiter und kognitive Rechner zusammenwirken. Wissensarbeit wird invers, wenn die Struktur, also die Gliederung eines längeren Textbeitrages mittels künstlicher-neuronaler-Netze als Muster aus dem Dokumentenbestand von Wissensmanagementsystemen geschürft wird. Schreiben wird invers, wenn geschürfte Gliederungen automatisch mit musteradäquaten Text-Snippets aufgefüllt und als automatisch erzeugtes Exzerpt ins Lektorat gehen [2].

Ein Wissensarbeiter in der Textproduktion kürzt und lektoriert die vom unterstützenden, kognitiven Rechner erzeugten Textbeiträge. Die eigentliche Kreativleistung verschiebt sich. Das beschreiben leerer Blätter übernimmt das Cognitive Computing, die dazu notwendigen Filter baut der Autor, wenn er vorab das künstliche-neuronale-Netz trainiert.

Welche Einsatzszenarien für Cognitive Computing sind vorstellbar?

Cognitive Computing in der Textproduktion [3] adressiert Abteilungen von Unternehmen, die in den Bereichen: Marketing, Ideenmanagement, Wissensmanagement oder der Wettbewerbsbeobachtung mit großen Textdatenmengen bzw. strukturierten und unstrukturierten Wissensbeständen operieren. Insbesondere wenn Wissensarbeiter [4] in kurzer Zeit die Komplexität großer Textdatenbestände themen- und aufgabenspezifisch reduzieren wollen.

Wie sehen erste Erfahrungen aus?

Vielversprechend [5], wie die 30 Sekunden zum Eurovision Songcontest andeuten ☺

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[1] F&E am Institut für grafische Wissensorganisation: 140923_KnowTech2014.pdf
[2] Algorithmus und Klassifikation: 140805_Textrapic_Textrashelf_low.mp4
[3] Entwicklungsvorhaben 2015/16: 140908_OISAmedia_Text.pdf
[4] OISAone in Arbeitsgruppe: 140828_OISAmedia.mov
[5] Eurovision Song Contest: 140512_Textrapic_ESC.avi