Stefan Pforte

Ein Kurzbeitrag zur Blog-Parade der KnowTech 2014, veranstaltet vom BITKOM – Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. unter dem Motto: “Zukunft des Wissensmanagements: Was ändert sich mit Cognitive Computing?“. Einige Impressionen aus der F&E Sicht des Institutes für grafische Wissensorganisation [1], entlang der Leitfragen:

Wie wird sich die Wissensarbeit im Zusammenwirken mit kognitiven Rechnern ändern?

„Wer schreibt bleibt!“ die Art jedoch wie geschrieben wird, ändert sich spätestens, wenn Wissensarbeiter und kognitive Rechner zusammenwirken. Wissensarbeit wird invers, wenn die Struktur, also die Gliederung eines längeren Textbeitrages mittels künstlicher-neuronaler-Netze als Muster aus dem Dokumentenbestand von Wissensmanagementsystemen geschürft wird. Schreiben wird invers, wenn geschürfte Gliederungen automatisch mit musteradäquaten Text-Snippets aufgefüllt und als automatisch erzeugtes Exzerpt ins Lektorat gehen [2].

Ein Wissensarbeiter in der Textproduktion kürzt und lektoriert die vom unterstützenden, kognitiven Rechner erzeugten Textbeiträge. Die eigentliche Kreativleistung verschiebt sich. Das beschreiben leerer Blätter übernimmt das Cognitive Computing, die dazu notwendigen Filter baut der Autor, wenn er vorab das künstliche-neuronale-Netz trainiert.

Welche Einsatzszenarien für Cognitive Computing sind vorstellbar?

Cognitive Computing in der Textproduktion [3] adressiert Abteilungen von Unternehmen, die in den Bereichen: Marketing, Ideenmanagement, Wissensmanagement oder der Wettbewerbsbeobachtung mit großen Textdatenmengen bzw. strukturierten und unstrukturierten Wissensbeständen operieren. Insbesondere wenn Wissensarbeiter [4] in kurzer Zeit die Komplexität großer Textdatenbestände themen- und aufgabenspezifisch reduzieren wollen.

Wie sehen erste Erfahrungen aus?

Vielversprechend [5], wie die 30 Sekunden zum Eurovision Songcontest andeuten ☺

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[1] F&E am Institut für grafische Wissensorganisation: 140923_KnowTech2014.pdf
[2] Algorithmus und Klassifikation: 140805_Textrapic_Textrashelf_low.mp4
[3] Entwicklungsvorhaben 2015/16: 140908_OISAmedia_Text.pdf
[4] OISAone in Arbeitsgruppe: 140828_OISAmedia.mov
[5] Eurovision Song Contest: 140512_Textrapic_ESC.avi

Das “Kick it like Brandwatch” Kundenevent am Do, 26.06.14 in der WHITE Spreelounge Berlin war so spannend, ich habe die Einleitung in meinen Vortrag weggelassen, um gleich mitten drin zu sein. Das wär sie gewesen:

Bis in die Neunziger war die Printfläche der Tageszeitungen endlich. Die Struktur war exklusiv, der Eintritt für zum Beispiel Werbung kostenintensiv. Die Verteilung der Information war geregelt, zudem konnten die Verlage die Sichtbarkeit der Anzeigen garantieren. Ein Leser ein Blatt. Reichweite war kalkulierbar.

Mit dem Internet ist die Flächenbegrenzung aufgehoben. Unendlich Platz. Jeder neue Blogbeitrag füllt ihn weiter aus. Gleichsam ziehen die Beitrage Aufmerksamkeit auf sich und von der klassisch exklusiven Printstruktur ab. Die Lesezeit bleibt endlich. Eine neue Herausforderung für Werber.

Suchmaschinen halfen bei der Orientierung, boten neue Werbefläche. Die ersten zwei Seiten der Trefferlisten schafften eine neue Struktur der Exklusivität. Dabei verheimlichen die Suchmaschinen nicht, dass es nach Seite drei noch 15.000 weitere gibt. Suchmaschinenoptimierung schafft mit Geschick und Aufwand vielleicht den Eintritt in die neue Exklusivzone, Anzeigen schaffen es bestimmt, erst recht auf Seite eins. Reichweite ist wieder kalkulierbar. Die Lesezeit bleibt endlich.

Das Netz entdeckt Sozial-Media und den Jedermann-Jederzeit-Alles-Kommentar, der zudem teilbar ist. Als Shitstorm gefürchtet und als Hitstorm gewollt überziehen Stimmungswellen die unendlichen, lesbaren Flächen. Die Stürme sind eine neue Orientierung, ziehen Aufmerksamkeit von den ersten zwei Seiten der Suchmaschinen-Trefferlisten ab und andere Leser mit. Reichweite ist wieder unkalkulierbar. Woher weht der Wind, wo stürmt es? Die Lesezeit bleibt weiterhin endlich.

Für Werber, die wie gewohnt Anzeigen platzieren wollen ist es schwer geworden. Reklametafeln lassen sich im Netz überall aufstellen, ein Meer an Möglichkeiten. Die Nutzer verhalten sich indes wie Schwärme. Eine Anzeige in jeder Bucht? …in jeder Tiefe? …nach jedem Kilometer? …in der Hoffnung, das mal ein Schwarm vorbei strömt? Unkalkulierbar! Mit dem Social-Media-Monitoring stellt sich eine Strategie vor, die dem Werbeflächenphänomen vielversprechend begegnet:

  • finde den Schwarm oder Hit The Mainstream,
  • liefere was Leckeres,
  • schau ob es geschmeckt hat.

ab hier dann der Vortrag:

“Für Social-Media-Monitoring ist es fünf nach neun, für Freunde klassischer Anzeigenwerbung fünf vor zwölf…